
Die überaktive Blase (OAB) ist ein klinisches Syndrom mit typischen Symptomen des unteren Harntrakts – plötzlicher, schwer kontrollierbarer Harndrang (Urgency), häufig zusammen mit häufigem Wasserlassen (Pollakisurie) und nächtlichem Wasserlassen (Nykturie), mitunter auch mit Dranginkontinenz.
Die überaktive Blase ist in der Regel eine multifaktorielle Störung, bei der sich eine eindeutige Ursache häufig nicht bestimmen lässt. An der Entstehung der OAB sind Veränderungen der nervalen Steuerung und der Empfindlichkeit der Blase, funktionelle Veränderungen des Detrusors (der Muskelschicht der Harnblase) sowie verschiedene Faktoren beteiligt, etwa altersbedingte Veränderungen, Funktionsstörungen des Beckenbodens, Verstopfung bzw. Darmfunktionsstörungen, frühere Operationen im kleinen Becken oder Bestrahlung, psychische und verhaltensbedingte Faktoren (übermäßige Flüssigkeitszufuhr, Koffein, Alkohol). Häufig liegen mehrere Faktoren gleichzeitig vor.
Wichtig ist, die OAB von anderen Erkrankungen abzugrenzen, die ähnliche Symptome verursachen können, etwa Harnwegsinfektionen, Steine, Tumoren, Blasenentleerungsstörungen oder neurologische Erkrankungen. Die OAB ist daher eine klinische Diagnose, die nach einer entsprechenden Basisuntersuchung des Patienten gestellt wird.
Die Diagnostik der überaktiven Blase ist stets individuell auf den jeweiligen Patienten abgestimmt und zielt darauf ab, die typischen Symptome zu erfassen, Risikofaktoren zu erkennen und andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Beschwerden verursachen können. Die urologische Basisabklärung umfasst ein Gespräch und eine klinische Untersuchung, eine Urinanalyse sowie ein 3-tägiges Miktionstagebuch, mit dem wir Häufigkeit und Menge des Wasserlassens, Harndrang, nächtliches Wasserlassen und einen möglichen Urinverlust beurteilen. Bei Bedarf werden auch ein Ultraschall der Harnwege mit Restharnmessung und eine Uroflowmetrie durchgeführt. In unklaren oder komplexeren Fällen können weitere Untersuchungen erforderlich sein – Urodynamik, Zystoskopie.
Die Behandlung der überaktiven Blase wird individuell auf den Patienten abgestimmt. Ziel ist es, störende Symptome zu verringern und so die Lebensqualität zu verbessern.
Grundlage der Behandlung sind Änderungen der Lebens- und Miktionsgewohnheiten, Blasentraining, Stärkung der Beckenbodenmuskulatur (Kegel-Übungen), eine angemessene Flüssigkeitszufuhr, die Reduzierung von Koffein und anderer Faktoren, die die Symptome verschlechtern können. Bestehen die Beschwerden fort, kann eine medikamentöse Behandlung eingeleitet werden (Antimuskarinika, β3-Adrenozeptor-Agonisten). Bei unzureichender Wirkung kann die Behandlung angepasst, das Medikament gewechselt oder eine Kombination von Medikamenten eingesetzt werden. Für Patienten mit anhaltenden bzw. schwer kontrollierbaren Symptomen stehen auch fortgeschrittenere Methoden zur Verfügung, nämlich die Injektion von Botox in die Blasenwand oder die Neuromodulation.
Die Behandlung wird stets an Art und Ausprägung der Symptome, den Lebensstil, Begleiterkrankungen und das Ansprechen auf frühere Behandlungen angepasst, erforderlich ist zudem eine regelmäßige Kontrolle der Wirksamkeit der Behandlung und möglicher Nebenwirkungen.
Blasentraining ist eine Verhaltensmethode, mit der die Zeit zwischen den einzelnen Toilettengängen schrittweise verlängert und das Dranggefühl verringert wird. Ziel ist es, wieder einen geregelteren Miktionsrhythmus herzustellen und die Kontrolle über die Blase zu verbessern.
So führen Sie das Training durch:





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Geschlossen
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